Blog

Start » Wie Erwartungen das Leben formen

Wie Erwartungen das Leben formen

von | 24.01.2023 | 0 Kommentare

Als Menschen haben wir Erwartungen, Wünsche und Hoffnungen.
In diesem Blog möchte ich mir genauer anschauen, mit welchen Erwartungen wir als Therapeuten konfrontiert werden und mit welchen Erwartungen wir therapeutisch arbeiten sollten.
Eine Klientin, die unsere Praxis betritt, hat oft bestimmte Erwartungen. Auf jeden Fall hat sie Hoffnungen und vielleicht auch konkrete Wünsche.

Deswegen möchte ich zu Beginn ein wenig zwischen diesen Begriffen unterscheiden .

Erwartung: 1. Zustand des Wartens, Spannung 2. vorausschauende Vermutung, Annahme, Hoffnung

Hier wird also Erwartung unter anderem mit Hoffnung erklärt. Es ist jedoch so, dass Erwartungen eines Menschen positiver oder negativer Art sein können. Das Wort Hoffnung ist in der Regel positiv konnotiert.

Hoffnung 1. das Hoffen; Vertrauen in die Zukunft; Zuversicht, Optimismus in Bezug auf das, was [jemandem] die Zukunft bringen wird 2. positive Erwartung, die jemand in jemanden, etwas setzt

Wunsch: Begehren, das jemand bei sich hegt oder äußert, dessen Erfüllung mehr erhofft als durch eigene Anstrengungen zu erreichen gesucht wird

(alle Definitionen: Duden.de)


Klärung von Zielen und Hoffnungen

In den ersten Therapiestunden fragen wir normalerweise die Erwartungen und Ziele unserer neuen Klientinnen ab. Wir wollen wissen, was ihre Themen und Leidenspunkte sind, und wollen uns ein Bild davon machen, welche Veränderungen sie sich wünschen.
Meist werden wir schon hier mit einer (Ver-)Mischung von Zielen, Erwartungen, Wünschen und Hoffnungen konfrontiert, da viele Menschen ihre Ziele als Wünsche beschreiben und ihre Hoffnungen als Erwartungen. Dies kann schnell zu Frustrationen und letztlich zu Enttäuschung von der Therapie und Ärger auf uns als Therapeutinnen führen.

Eine Therapie geht immer einher mit Hoffnung. Das müssen wir uns als Begleitende immer vor Augen halten.

Menschen, die mit der Erwartung oder dem unausgesprochenen Wunsch nach Erlösung von ihrem Leiden zu uns kommen, haben oft den schlechtesten Therapieerfolg. Damit verbunden ist meist große Enttäuschung, die sie womöglich auf uns projizieren. Sie erleben sich selbst als wenig selbstwirksam und sehen den Therapieerfolg in erster Linie als unsere Aufgabe an, ähnlich einem Arztbesuchs, bei dem man passiv ein Medikament verschrieben bekommt, das dann die Krankheit heilen soll.

In einigen Fällen können wir diese innere – oft unbewusste – Haltung schnell heraushören. Diese Klienten klagen oft viel über das Verhalten anderer, wollen von uns Lösungen und Tipps und beschäftigen sich zwischen den Therapiestunden kaum mit sich. Sie kommen immer wieder mit neuen Themen und mit dem Schwierigen, das sie zwischen den Stunden erlebt haben. Oft ist es schwer, sie dazu zu bringen, sich mit sich zu beschäftigen und sich zu fühlen, ihr eigenes Verhalten zu beschreiben und zu reflektieren.

Es gibt ein erfülltes Leben trotz vieler unerfüllter Wünsche.
Dietrich Bonhoeffer

Wir erwarten immer etwas

Jedes Verhalten von Menschen hat eine Erwartung inne, denn wir erwarten immer bestimmte Ergebnisse oder Reaktionen, die auf unser Verhalten folgen.
Ein ganz banales Beispiel: Wenn wir auf das Gaspedal treten, erwarten wir, dass das Auto anfährt. Geschieht dies nicht, sind wir irritiert. Geschieht dies in einem Maße, das unsere Erwartung übersteigt, bekommen wir kurzfristig Stress und versuchen zu bremsen.

Die meisten unserer Erwartungen spielen sich unbewusst ab und sind Teil unseres Lebens. Es gibt jedoch verschiedene Formen von Erwartungshaltungen, die wissenschaftlich unterschieden werden.

Eine Erwartungshaltung beinhaltet folgende Faktoren

  • Wie sehr glauben wir, etwas beeinflussen zu können – die Selbstwirksamkeitserwartung
    Diese ist bei vielen Betroffenen sehr gering. Traumata beinhalten Ohnmacht und Hilflosigkeit. Menschen bleiben z.T. in der sog. erlernten Hilflosigkeit gefangen oder versuchen extrem viel Kontrolle auszuüben – auch über den therapeutischen Prozess – damit sie die Gefühle von Ohnmacht nicht spüren müssen.
  • Welche Folgen unseres Verhaltens wir erwarten – die Ergebniserwartung
    Verhalten hat eine Wirkung. Diese ist manchmal direkt und manchmal verzögert. Die Ergebniserwartung kann positiv oder negativ sein.
  • Von wem oder was glauben wir, dass das Eintreten gewünschter Ergebnisse abhängt – die Kontrollüberzeugung
    Kontrolle ist ein zweischneidiges Schwert. Wir brauchen ein Gefühl von Kontrolle über unser Leben, um seelisch gesund zu bleiben. Wollen wir zu viel Kontrolle haben, dann werden wir kontrollierend und zwanghaft. Die Vulnerabilität gegenüber Traumata erhöht sich, da sich das Leben nicht kontrollieren lässt und jeder “Kontrollverlust” als Retraumatisierung wahrgenommen werden kann.
  • Die Frage, wer oder was die Ursache für ein bestimmtes Ergebnis ist – der Attributionsstil
    Menschen attribuieren Ereignisse in ihrem Leben sehr unterschiedlich. Manche Menschen schreiben alles Positive in ihrem Leben sich selbst zu – und alles Negative ist die Schuld anderer. Bei anderen Menschen ist dies genau umgekehrt, sie geben sich immer und für alles die Schuld. Und alles Positive ist nicht wahr oder Zufall.

Erwartungen und ihre Fallstricke

Hoffnungen, Wünsche und Erwartungen sind immer auch allgemein im Leben von Menschen ein großer Faktor persönlichen Leidens oder Wohlergehens und sollten deshalb innerhalb des therapeutischen Prozesses bewusst gemacht und angeschaut werden.
Es gibt verschiedenen Arten von Erwartungen:

  • Erwartungen an sich selbst
  • Erwartungen an andere Menschen
  • Erwartungen an übergeordnete „Instanzen“, wie das Leben/ Gott/das Schicksal

Und in unserem konkreten Arbeitsfeld insbesondere die:

  • Erwartungen an die Therapie
  • Erwartungen an den Therapeuten

Erwartungen an sich selbst

Je mehr Menschen von sich erwarten, desto erfolgreicher oder unglücklicher sind sie. Das ist zwar ein Paradox, aber Erwartungen können uns tatsächlich anspornen oder ausbrennen.
Viele unserer Klientinnen erwarten oft zu viel von sich und können auf der anderen Seite ihre Erwartungen an sich nicht umsetzen. Sie sind dann gefangen in einem dauerhaften Kreislauf des Scheiterns. Sie machen Pläne und können sie nicht durchführen oder durchhalten. Sie möchten Veränderungen und haben Angst vor diesen. Manche Klienten erwarten Perfektionismus von sich, brennen darüber aus und leben ständig in Angst, dass sie nicht genügen.

Erwartungen sind Festschreibungen einer vorgestellten Zukunft.

Das Problem mit Planung und Umsetzung bei Betroffenen

Ein großes Problem mit Zukunftsplanung bei traumatisierten Menschen ist, dass sie dies meist nicht können. Trauma hält Menschen in der Vergangenheit oder in einem beständig beängstigenden Jetzt gefangen. Manche Betroffene können kaum den aktuellen Tag planen, geschweige denn ihre Woche oder gar ihr kommendes Jahr.
Je mehr Erregung und Dissoziation in einem Menschen aktiv sind, desto reaktiver wird er oder sie und desto weniger Zugriff haben Betroffen auf ihre Fähigkeiten von Planung und Gestaltung.
Wenn man sich ständig bedroht fühlt, kann man weder planen noch Pläne umsetzen. Die inneren Ressourcen reichen dafür nicht aus.
Das folgende Schaubild zeigt, wie sehr sich die inneren Kapazitäten mit dem Grad der inneren Erregung verschieben. Je mehr ein Mensch mit Stress zu tun hat, desto geringer werden die Kapazitäten, sich mit der Zukunft auseinanderzusetzen oder diese zu planen. Angst und Stress halten Menschen in einem kleinen Zeitfenster gefangen und binden alle Energie.

Tabelle Zeitgefuehl

Schaubild aus Bruce Perry: “Der Junge, der wie ein Hund gehalten wurde”

Erwartungen an andere

Wer andern gar zu wenig traut, hat Angst an allen Ecken; wer gar zu viel auf andre baut, erwacht mit Schrecken.
Wilhelm Busch

Wir haben alle Erwartungen an andere Menschen. Die meisten davon sind unbewusst.
Wir erwarten von anderen zum Beispiel, dass sie bestimmte Verhaltensnormen berücksichtigen und sich uns gegenüber auf eine bestimmte Art und Weise verhalten. Brechen Menschen diesen Verhaltenskodex, so sind wir belustigt, verwirrt, angeekelt, verärgert oder sogar verängstigt. Wir haben alle bestimmte Normen und Verhaltensweisen verinnerlicht und erwarten diese, ohne dass uns bewusst ist, dass wir sie erwarten.

In Beziehungen werden die Erwartungen meist konkreter. Wir erwarten, dass unser Gegenüber bestimmte Bedürfnisse von uns erfüllt, sonst sind wir enttäuscht. Manchmal haben Menschen sehr konkrete Vorstellungen und Bilder davon, wie eine andere Person sich verhalten muss, wie genau diese Person ihre Bedürfnisse und Wünsche erfüllen soll.

Diese Festschreibung führt per se oft zu Frustration, weil etwas nur dann als gut befunden wird, wenn es genauso ist/wird, wie es vorgestellt wurde. Meist ist aber leider nichts gut genug oder überhaupt nur annähernd so gut wie in der Phantasie.
Betroffene sind dann gefangen in einem Kreislauf von Erwartung und Enttäuschung und merken nicht, dass sie diesen selbst herbeiführen. Die inneren Vorstellungen und Erwartungen sind so rigide, dass es keinen Spielraum für Lebendigkeit gibt. Je rigider und festgeschriebener Erwartungen sind, desto mehr führen sie zu Enttäuschungen.

Wenn Menschen als Kinder im Mangel waren

Dies ist oft bei Menschen der Fall, die als Kinder sehr im Mangel waren und sich eine innere Phantasiewelt von Erfüllung erschaffen haben, an die die wirkliche Welt und wirkliche Menschen mit all ihrer Fehlbarkeit niemals heranreichen. (Falls dich die Arbeit mit diesen Strukturen interessiert, sie ist Teil meiner Online-Fortbildungen)

Betroffene müssen dann Schritt für Schritt lernen, die inneren Erwartungen zu verbalisieren und sie mit den Augen eines erwachsenen Menschen zu betrachten. Insbesondere müssen sie lernen, dass sie selbst auch fehlbar und menschlich sind und dass ihre Erwartungen an andere oftmals unrealistisch sind. Um einen Perspektivwechsel herbeizuführen, ist es manchmal sinnvoll danach zu fragen, ob sie selbst denn ihre Erwartungen erfüllen würden.

Ein Teufelskreis:

  • Das was ich will, bekomme ich nicht (oder nur ungenügend).
  • Das was ich bekomme, will ich nicht.
  • Was ich bekomme, kann ich nicht nehmen.
  • Oder, wenn ich es nehme, dann kann ich mich nicht damit füllen und satt werden.
  • Gerade der letzte Teil ist den Betroffenen meist nicht bewusst. Deshalb sind ihre Beziehungen leider oft enttäuschend, mit vielen Kämpfen verbunden oder gar zum Scheitern verurteilt.

    Häufig initiieren sie eine Selbsterfüllende Prophezeiung, da sie ständig unzufrieden mit dem sind, was sie bekommen, oder nicht sehen und fühlen können, was ihre Partnerinnen und Partner ihnen geben. Sie suchen nach mehr oder nach “anders und perfekter”. Das führt dann dazu, dass die Partner sich irgendwann zurückziehen oder sie verlassen.

    Erwartungen an das Leben

    Was erwarten wir vom Leben?
    Das ist natürlich eine große philosophische Frage. Ich möchte sie hier jedoch im Zusammenhang mit Entwicklungstrauma sehr bodenständig besprechen.
    Die Erwartungen, die wir haben, beeinflussen unsere Wahrnehmung und damit die Realität, in der wir leben. Wir können die Realität nicht wirklich sehen, glauben aber alle, dass wir sie sehen. Selbst, wenn wir sagen, dass wir dieser Aussage zustimmen, so glauben wir doch meist heimlich, dass wir die Ausnahme sind 😀.

    Der Ted-Talk eines ehemaligen Taschendiebs veranschaulicht und erklärt unsere eingeschränkte Realitätssicht für mich bis heute am besten. Schau dir das Video bitte unbedingt bis zum Ende an. (Es ist möglich, deutsche Untertitel einzustellen.)

    YouTube

    Mit dem Laden des Videos akzeptierst du die Datenschutzerklärung von YouTube.
    Mehr erfahren

    Video laden

    Apollo Robbins: The art of misdirection

    Erwartungen steuern unsere Aufmerksamkeit und unsere Aufmerksamkeit steuert unsere Wahrnehmung. Hat das Gehirn sich ein bestimmtes Bild von der Realität gemacht, so verändert sich dieses Bild nicht zwangsläufig – selbst, wenn die Realität sich geändert hat.
    Unser Gehirn ist fähig, die Realität zu überschreiben mit altem Wissen, Bildern und Erfahrungen. Und dies auf eine Art und Weise, die wir nicht bewusst wahrnehmen.
    In der Allgemeinen Psychologie wird dies als Erwartungseffekt (auch: Einstellungseffekt) bezeichnet. Das ist das Phänomen, „dass wir das Gesehene oder Gelesene gemäß unserer Erwartung interpretieren“.

    Zudem überfluten Traumata Betroffene immer wieder mit Angst – bewusst oder unbewusst. Dadurch ist ihre Aufmerksamkeit/ihr Gehirn gefangen in dem Bemühen, die Bedrohung zu finden. Das ist ein Teufelskreis, der viele Ressourcen bindet.
    Das Problem dabei ist, dass man immer eine Bestätigung findet, wenn man nach etwas Negativem sucht oder bei anderen Menschen darauf wartet, dass sie die Erwartung von Verletzung oder Enttäuschung bestätigen. Diese Bestätigung ist ein großes Problem, weil Betroffene das Gefühl haben, Recht zu haben mit ihrer negativen Erwartung an das Leben und andere Menschen.

    Bestätigte Erwartungen sind nicht zwangsläufig wahr

    Es stellt sich die große Frage: Wie können wir jemandem zeigen, dass negative Erwartungen immer auf die ein oder andere Weise bestätigt werden, sie aber dennoch nicht zwangsläufig “wahr” sind?

    Letztlich wird es hier darum gehen, wie sehr ein Klient uns glaubt, dass es noch eine andere Wahrheit geben könnte, und den Raum in sich findet – der meist mit einer besseren Selbstregulation einhergeht – andere Interpretationen der eigenen Wahrnehmung zuzulassen.

    Das ist ein langer Prozess, der sehr schmerzhaft sein kann, da diesen inneren Prozessen die Prägungen und Verletzungen aus der Kindheit zu Grunde liegen.
    Je traumatisierter Menschen sind, desto mehr bewegen sie sich zwischen Rigidität und Chaos, zwischen Schwarz und Weiß und können kaum Grautöne oder Ambiguität aushalten.
    Es ist ein wichtiges Therapieziel, dass Menschen Ambiguität aushalten können. Dies ist nicht nur auf der persönlichen Ebene wichtig, sondern auch die Grundlage für Demokratie und demokratisches Handeln.

    Erwartung an die Therapie

    Klienten haben immer Erwartungen an eine Therapie, darauf bin ich ganz oben schon eingegangen.
    Da die meisten Menschen Wünsche, Erwartungen, Ziele und Hoffnungen als Begriffe synonym verwenden, ist es wichtig, hier gemeinsam “Ordnung” zu schaffen.

    Häufig bekommen wir “Nicht-Ziele” genannt:
    – Ich möchte nicht mehr leiden.
    – Ich will keine Angst mehr haben.
    – Ich will nicht mehr so viel Stress haben.

    Als Menschen können wir grundsätzlich besser sagen, was wir nicht mehr wollen, als genau zu sagen, was wir wollen. Die Glücksforschung belegt, dass wir im Grunde sehr schlecht darin sind, wirklich vorauszusagen, was genau uns glücklich macht (siehe z.B. Daniel Gilbert, Ins Glück stolpern). Wir überschätzen oft bestimmte Dinge in ihrer Wirkung und unterschätzen andere.

    Dies alles bedeutet, dass unsere Klientinnen wahrscheinlich zu Beginn einer Therapie viele Problemthemen erzählen. Die Ziele sind dann eher Hoffnungen und Wünsche, da sie selten klar definiert sind oder sogar ein konkretes Datum haben (was das Wesen von Zielen ist).
    Selten können Menschen sagen, wie genau sie sich fühlen wollen, insbesondere dann, wenn sie für viele positive Zustände gar keine Referenzen haben.

    Erwartungen sollten immer unsere Aufmerksamkeit erregen

    Schwieriger wird es, wenn Menschen konkrete Erwartungen an die Therapie – und damit letztlich an uns – haben. In diesem Falle sollten wir aufhorchen, diese Erwartungen sehr klar benennen und unsere Klienten darüber aufklären, ob diese Erwartung aus unserer Sicht realistisch ist.

    Ich frage zum Beispiel immer danach, welchen Zeithorizont für die Therapie sich Menschen vorstellen. Der genannte Zeithorizont ist im Laufe der 25 Jahre, die ich inzwischen als Therapeutin arbeite, immer kürzer geworden. Häufig erwarten Menschen Wunder und sind erschrocken, wenn ich (je nach Symptomlage) ihre Erwartung von 6 Monaten auf 3 bis 4 Jahre korrigiere.

    Erwartungen sollten immer unsere Aufmerksamkeit erregen und angesprochen werden. Seien es Erwartungen an die Therapie oder die Erwartungen, die Klienten an das Leben und andere Menschen oder eben an sich selbst haben. Hier liegt oft ein Grund für Schmerz und dauerhafte und immer wiederkehrende Enttäuschung.

    Die Erwartungen unserer Klienten können großen Druck in uns erzeugen. Diese Erwartungen können ungesagt im Raum wabern oder immer wieder als Enttäuschung geäußert werden. Nehmen wir nicht bewusst wahr, was da im Raum schwebt, und können selbst nicht benennen, was da therapeutisch passiert, werden wir leicht in die Inszenierung der Klienten hineingezogen und Teil ihrer nächsten Enttäuschung.

    Zu guter Letzt – der Rosenthal-Effekt

    Als Therapeuten oder Begleiterinnen haben auch wir Erwartungen an unsere Klientinnen und an uns selbst. Diese sollten wir uns immer bewusst machen, denn auch diese Erwartungen haben einen Einfluss auf die Klienten und auf unser Selbstbild.

    Ich selbst denke, dass es nicht sinnvoll ist mit Menschen zu arbeiten, an deren Therapieerfolg ich nicht glaube. Ich bin sicher, dass sich dieses Gefühl auf meine Klienten überträgt und etwas mit ihnen macht. Gerade stark von Trauma Betroffene tragen oft große Resignation und Hoffnungslosigkeit in sich.
    Ich sehe mich – eine Zeit lang – als die Trägerin der Hoffnung, dass Veränderung möglich ist. Ich glaube an mein Gegenüber, solange sie oder er das selbst noch nicht kann.

    Der sogenannte Rosenthal-Effekt gibt dieser Haltung recht. Diese Art von Experiment wurde in verschiedenen Formen, z.B. auch in Schulen wiederholt. Das Ergebnis konnte immer bestätigt werden.

    “In einem Laborexperiment wurden zwölf Studenten jeweils fünf Laborratten eines gleichen Stammes gegeben. Der einen Hälfte der Studenten wurde mitgeteilt, dass „ihre“ Ratten darauf hin gezüchtet wurden, einen Irrgarten besonders schnell zu durchlaufen. Der anderen Hälfte der Studenten wurde mitgeteilt, dass „ihre“ Ratten auf besondere Dummheit hin gezüchtet wurden. Obwohl die Ratten in Wirklichkeit alle vom gleichen genetischen Stamm kamen, zeigten jene Ratten, deren Versuchsleitern mitgeteilt worden war, dass ihre Ratten besonders intelligent seien, deutlich bessere Leistungen als die Ratten in der Kontrollgruppe. Die Erklärung von Rosenthal und Fode dafür war, dass die Projektionen der studentischen Versuchsleiter die Leistung der Ratten beeinflusst hätten“. Wikipedia

    Jeder Mensch braucht es, dass jemand an ihn oder sie glaubt. Das gibt uns Kraft und Hoffnung und die Energie weiterzugehen, auch wenn es schwer ist.

    Gratis E-Book und kostenfreier Videolehrgang

    E-Book

    Letzte Beiträge

    Überzeugungen, die am Leben hindern

    Überzeugungen, die am Leben hindern

    „Glaubenssätze sind Überzeugungen, die wir für wahr halten!“ Dieser Satz bringt das grundlegende Problem auf den Punkt. Wenn Menschen etwas für wahr halten, dann hinterfragen sie es nicht mehr. Es ist einfach eine Tatsache, mit der sie leben. Das Seltsame an uns...

    Warum sind unsere Klienten (und wir) so erschöpft?

    Warum sind unsere Klienten (und wir) so erschöpft?

    Es ist Herbst geworden und die Blätter sind bunt, die Tage werden kürzer und kühler. Die Natur fängt an sich zurückzuziehen und herunterzufahren. Es wird stiller draußen und gleichzeitig ist überall Fülle und Erntezeit. Heutzutage haben wir uns weitgehend aus dem...

    Wie können wir mit Schuldgefühlen arbeiten?

    Wie können wir mit Schuldgefühlen arbeiten?

    In diesem Beitrag geht es mir nicht um den Umgang mit Schuld, sondern um den Umgang und die Arbeit mit Menschen, die ständig Schuldgefühle haben. Im Unterschied zu Schamgefühlen ("ich bin falsch") geht es bei Schuldgefühlen darum, etwas falsch gemacht zu haben....

    0 Kommentare

    Einen Kommentar abschicken

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert