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Objektkonstanz

von | 22.12.2020 | 6 Kommentare

Woher wissen wir, dass wir nicht „einsam“ sind, obwohl wir „alleine“ sind

Eines der großen Themen unserer KlientInnen ist Einsamkeit, Verlorenheit und das Gefühl, nicht dazu zu gehören. Oftmals haben Menschen dieses Gefühl sogar dann, wenn eine nahe Person direkt neben ihnen sitzt.

Es ist, als könnten sie nicht spüren, dass jemand „wirklich da“ ist. Das macht jede Beziehung sehr anstrengend und herausfordernd, da es oft einer permanenten Rückversicherung bedarf, dass die Partnerin/der Partner noch da ist. Je nach Bindungsmuster führt dies zu einem eher „klammernden“ oder einem sehr „autonomen“ Verhalten im Alltag.

Oftmals stellt es schon eine Bedrohung dar, wenn eine geliebte Person „nur“ weggeht – nicht im Sinne einer Trennung – sondern im Sinne einer allein ausgeübten Aktivität.
Dies wird oft als schwerwiegende Bedrohung erfahren und kann ein existentielles Gefühl von Einsamkeit antriggern.
Dieses Problem, die geliebte Person nicht mehr in sich fühlen zu können, haben viele Menschen mit Entwicklungstrauma. Sie fühlen sich sowieso meist schon alleine, entfremdet und abgeschnitten. Dazu können sie das Gefühl von Verbundenheit kaum in sich halten, weder wenn die andere Person real da ist, noch wenn diese sich eigenständigen Aktionen widmet.

Die Fähigkeit, dieses Gefühl von Verbindung in sich zu fühlen, auch wenn die andere Person nicht präsent ist, nennt man Objektkonstanz.

Objektkonstanz ist ein abstrakter Begriff, der sehr fühlbare und lebendige Konsequenzen für uns hat. Konnten wir Objektkonstanz in früher Kindheit lernen, bedeutet dies, wir sind fähig, eine geliebte Person auch dann in uns zu fühlen, wenn sie nicht da ist.
Auch wenn wir alleine sind, fühlen wir uns sicher und verbunden. Wir wissen um andere Menschen, die uns lieben, und fühlen dieses warme Gefühl in uns, das deren Liebe uns gibt, selbst wenn wir im Moment alleine sind.

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6 Kommentare

  1. Die Lilie

    Das ist eine Art innere Kälte auch mit Starre begleitet. Was ist wenn innere Entzündungen noch dazu kommen? Von einer Seite, denke ich, ist das Eis am Auflösen, von der anderen Seite ist das gefährlich und auch für die Psyche. Es sind zwei völlig konträre Zustände.

    Antworten
    • Dami

      Hallo Lilie, dazu kann ich leider nichts sagen, ohne dich zu kennen. Auftauen und Nähe zulassen scheint immer auch gefährlich, weil die alten Erfahrungen sagen „Tu das nicht, das wird weh tun“ Das braucht Zeit und Geduld. Herzliche Grüße, Dami

      Antworten
  2. Monika Hammer

    Ich erlebe diese Objektkonstanz gerade beim Freund meiner Tochter.
    Und seine Erzählung über das Verhalten seiner Mutter,die sich versteckt hat, weil sie es nicht wollte dass er ein Stückchen vorläuft, bestätigungen, (mein *huchfühlen*)mir deine Worte.
    Danke 💐

    Antworten
  3. Claire

    Das beschreibt mich leider perfekt. Daran ist meine erste Beziehung zerbrochen 🙁 Und auch wenn ich es kognitiv mittlerweile besser weiß und Therapien gemacht habe, kommen die Gefühle trotzdem immer noch nicht hinterher…

    Antworten
    • Dami

      Liebe Claire, so etwas dauert und manchmal bedarf es da auch der Unterstützung durch den Partner. Zum Beispiel, dass du ab und an mal fragen darfst, ob er oder sie noch da ist… Gib dir Zeit! Herzliche Grüße, Dami

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  4. Bianca

    Liebe Dami, ich danke dir für diesen Blog-Betrag. Ich kenne dieses Gefühl so gut und musste 44 werden, um es von einem anderen Menschen ebenfalls gefühlt und niedergeschrieben zu wissen. In großer Verbundenheit und am nächsten Tag im freien Fall… ohne Selbstvertrauen. Das habe ich immer als Gefahr empfunden mich zu sehr einzulassen.
    Danke für deine Arbeit!
    Herzliche Grüsse und dir ein wunderschönes neues Jahr!

    Antworten

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