Was Heilung wirklich braucht

Wie sich die therapeutische Arbeit verändern muss

Wir alle geben unser Bestes unseren Klienten die Unterstützung anzubieten, damit diese ihr Leben verändern können. Leider greifen wir dabei auf die Modelle zurück, die wir einmal gelernt haben. Das ist normal und logisch, ist aber Teil dessen, warum Psychotherapie nur bedingt wirksam ist.

Zum einen werden in den meisten Psychotherapie-Systemen Dinge vermittelt, die schon einige Jahrzehnte alt sind. Ich erinnere mich noch gut daran, dass in meinen Zwanzigern noch vermittelt wurde, dass der Bereich hinter der Stirn im Gehirn vollkommen uninteressant sei und dort keine wichtigen Hirnfunktionen liegen…

Unsere Biologie ist darauf ausgerichtet Energie sparen zu wollen. Das führt dazu, dass wir oft mit vollkommen überaltetem Wissen und Denkmustern herumlaufen. Dazu kommt die menschliche Eigenschaft, nicht aus der Rolle fallen zu wollen und Anerkennung zu brauchen. So kommt es, dass wir unsere Arbeit an „Normen und Dogmen“ anpassen, an die Erwartungen unserer Klienten, ebenso wie an die (scheinbaren) Erwartungen von Kollegen.


Die Wichtigkeit des in Frage stellens

Im Buch von Adam Grant „Think again“ wird dieses Problem sehr deutlich beschrieben:
Er unterscheidet vier Modi, in denen wir denken: Als Prediger verteidigen wir unsere Überzeugungen, als wären sie heilig. Als Staatsanwalt suchen wir Fehler in den Ansichten anderer. Als Politiker richten wir uns nach dem, was unser Publikum hören will. Nur in einem vierten Modus überprüfen wir wirklich, was wir denken — im Modus der Wissenschaftlerin, die ihre eigenen Annahmen aktiv testet.

Die meisten von uns, sagt Grant, verbringen den Großteil ihres Lebens in den ersten drei Modi und halten das für Denken. Übertragen auf uns als Profession heißt das: Wir verteidigen die Methoden unserer Ausbildung, wir grenzen uns von anderen Schulen ab, wir fügen uns in die Erwartungen von Kolleginnen, Verbänden und Klienten — und kommen viel zu selten in den Modus, in dem wir wirklich überprüfen, was wir gelernt haben.

Grant nennt das Gegenmittel „confident humility“: Vertrauen in die eigene Kompetenz, gepaart mit der Demut, falsch liegen zu können. Nicht Selbstzweifel. Bereitschaft zur Revision.

Genau die Haltung, die uns als Profession dringend nottäte, um echte Veränderungen herbeizuführen, wie z.B. das Dogma zu Fall zu bringen, dass man Klienten nicht berühren darf. Obwohl die Forschung inzwischen bestätigt, wie heilsam und z.T. notwendig Berührung ist.

Die letzten Jahre haben einige sehr interessante  Verschiebungen im Trauma-Verständnis gebracht, die im Mainstream — und in vielen Curricula — kaum angekommen sind. Wer sie ernst nimmt, sieht in der eigenen Praxis manches plötzlich anders. Dinge werden anders verständlich, auch Verhaltensweisen, die man vielleicht einfach nicht verstanden hat.

Dieser Artikel skizziert sechs dieser Verschiebungen, ihre klinischen Implikationen, die Bedingungen, unter denen Heilung tatsächlich passiert und wo wir unser Wissen updaten müssen. Nicht durch weitere Methodik, sondern durch Haltung und Herangehensweise.

Sechs Verschiebungen im Trauma-Verständnis

1. Von der Erinnerung zur Gewichtung

Eine der theoretisch fruchtbarsten Verschiebungen der letzten Jahre kommt aus dem Predictive-Processing-Rahmen. Wahrnehmung ist demnach kein passives Empfangen von Reizen, sondern aktive Hypothesenbildung: Das System sagt fortlaufend voraus, was im nächsten Moment eintreten wird, und vergleicht diese Vorhersagen mit der eingehenden Information. Was wir als „Wahrnehmung“ erleben, ist die Synthese aus beidem.

Arbeiten von Wilkinson und Kollegen (Clinical Psychology Review, 2017ff) sowie von Kube et al. zur „Bias against Disconfirmatory Evidence“ bei PTBS zeigen: Bei traumaexponierten Menschen sind die bedrohungsbezogenen Vorhersagen überpräzise. Sie werden mit so hoher Überzeugung (confidence weight) versehen, dass sensorische Evidenz aus dem Hier und Jetzt sie kaum noch korrigieren kann.
Dies ist ein Satz, bei dem es sich lohnt, ihn nochmal zu lesen, weil er alles über den Haufen wirft, woran wir gelernt haben zu glauben.

Anschluss findet das an den Active-Inference-Rahmen der Friston-Schule: Trauma als Zustand, in dem der die innere Annahme (der sog. Prior) so dominant ist, dass die Wahrnehmung sich selbst bestätigt.

Klinische Implikation

Wenn das Trauma in der Hypothese sitzt, mit der die Klientin in den Raum kommt, dann reicht es nicht, mit ihr über die Hypothese zu sprechen. Sprache über das Erlebte aktualisiert die Hypothese im präfrontalen Kortex — sie destabilisiert sie nicht. Unsere Aufgabe ist nicht die Aufklärung, sondern die Inszenierung einer Diskrepanzerfahrung im aktivierten Zustand. Die Frage in der Sitzung ist nicht „Was ist damals passiert?“, sondern „Welche Vorhersage ist gerade aktiv — und welche Erfahrung könnte sie im Moment widerlegen?“.

Wir behandeln nicht die Erinnerung. Wir verhandeln über die Linse.

2. Von der psychischen Störung zur physiologischen Last

Bruce McEwen und Eliot Stellar haben Anfang der 1990er Jahre den Begriff allostatic load eingeführt: die kumulative Belastung, die entsteht, wenn der Organismus über lange Zeit Anpassungssysteme aktiv halten muss. Chronische HPA-Achsen-Aktivierung, immunologische Verschiebung, metabolische Konsequenzen — all das ist nicht „Begleiterscheinung“ eines Traumas, sondern Mechanismus seiner Aufrechterhaltung.

Andauernder Stress und nichts anderes ist Trauma, belastet den Körper über Jahrzehnte und führt zu dysfunktionalen Anpassungen, die sich oft in Erschöpfung, hormonellem Ungleichgewicht und metabolischen Störungen zeigt.

Dabei gilt es nicht zu vergessen, dass viele Menschen mit belasteten Kindheiten niemals lernen konnten, was Selbstregulation ist, weder physiologisch noch psychisch.

Klinische Implikation

Die Stabilisierungs-Phase ist ein zu Recht etablierter erster Schritt, aber sie wird meist zu eng gedacht. Die physiologische Ebene fehlt häufig. Eine Klientin in chronischer Erschöpfung verträgt keine Trauma-Bearbeitung; nicht weil sie psychisch „noch nicht stabil“ wäre, sondern weil das System schlicht keine Reserven für Umbau hat. Schlafdiagnostik, Bewegungs- und Ernährungsanamnese, Klärung möglicher endokriner oder entzündlicher Mitspieler gehören zur Trauma-Anamnese — nicht als Beiwerk, sondern als Behandlungs-Variablen ersten Ranges.

Wir können nicht reparieren, wofür das System keinen Treibstoff mehr hat.

3. Vom intrapsychischen zum interpersonalen Mechanismus

Die Arbeiten von Ruth Feldman u.a. zur biobehavioralen Synchronie sind in den letzten zwanzig Jahren von theoretischer Annahme zu empirisch belegter Mechanik geworden. Mutter und Säugling synchronisieren Herzfrequenz, Atmung und affektive Zustände. Diese frühe Synchronie ist ein robuster Prädiktor späterer Regulationsfähigkeit. Bei Kindern mit chronisch früher Traumatisierung ist die Synchronisationsfähigkeit unter Stress messbar reduziert (Motsan, Bar-Kalifa, Yirmiya & Feldman, Depression and Anxiety, 2021) — und bleibt es bis ins Jugendalter.

Anschluss findet das an Schores Arbeiten zur right-brain-to-right-brain-Kommunikation, an Sterns Affektabstimmung und an Wampolds Common-Factors-Forschung, nach der die Beziehungsqualität signifikant größere Anteile an Therapieerfolg erklärt als die spezifische Methode. Was wir Selbstregulation nennen, ist verinnerlichte Ko-Regulation. Was niemand mit uns reguliert hat, können wir nicht alleine lernen.
Hier zeigt sich die Illusion des Selbsthilfemarktes: Lernen sich selbst zu trösten, eigene Verhaltensmuster alleine bemerken und ändern. Das innere Kind trösten.
All dies ist für Menschen nicht möglich, die diese Dinge nie selbst gelernt haben.

Klinische Implikation

Selbstregulations-Training als Hauptmethode — verbreitet bei komplexem Trauma — unterliegt einem Mythos. Skills lassen sich erlernen, kompensieren aber nur, was relational fehlt. Die therapeutische Beziehung ist nicht der Rahmen, in dem die Intervention stattfindet. Sie ist die Intervention. Für Therapeutinnen heißt das: Eigene Resonanzfähigkeit ist nicht weicher Faktor, sondern Wirkmechanismus. Sie ist trainierbar — und sie ist erschöpfbar.

Die Beziehung ist nicht der Rahmen. Sie ist die Behandlung.

4. Vom Verstehen zum Erleben

Bruce Ecker hat die neurobiologische Arbeit zur memory reconsolidation (Nader, Schafe, LeDoux 2000ff) für die Psychotherapie operationalisiert. Der Befund: Eine emotionale Erinnerung wird nicht durch Information neu beschrieben, sondern durch eine Erfahrung, die im aktivierten Zustand der Erinnerung selbst stattfindet und der ursprünglichen Vorhersage widerspricht (mismatch). Das öffnet ein reconsolidation window, in dem das alte Lernen tatsächlich überschrieben werden kann — nicht überlagert, überschrieben.

Diese Überschreibung durch neue Erfahrung, braucht Aktivierung. Sie muss am oberen Rand des Window of Tolerance stattfinden. Ist dein Klient zu ruhig und entspannt, kann diese neue Erfahrung nicht so stattfinden, dass sie wirklich gelernt wird.

Klinische Implikation

Einsichtsorientierte Verfahren haben dort eine Grenze, wo das Trauma jenseits der präfrontalen Verarbeitung sitzt. Eine Klientin kann „alles verstanden“ haben und doch keinen Update-Prozess durchlaufen, wenn die Sitzung nie in den Bereich kommt, in dem die alte Vorhersage aktiv UND eine widersprechende Erfahrung möglich wird. Unsere Aufgabe ist es, diese Mismatch-Räume zu öffnen — dosiert, sicher, in Resonanz. Das ist der Wirkraum. Alles davor ist Vorbereitung. Alles danach ist Konsolidierung.

Verständnis ist der Anfang. Bewusste Erfahrung ist der Schlüssel.

5. Vom Ereignis zur Wiederholung

Es gibt bei all dem ein großes Problem. Lernen ist oft kontextabhängig.

Generalisierung verlangt Wiederholung in variierenden Kontexten — mit verschiedenen Reizen, an verschiedenen Tagen, in verschiedenen Stimmungs- und Erregungszuständen.

Hinzu kommt die Schlafkonsolidierung (Walker, Stickgold). Was nach der Sitzung nicht im REM-Schlaf integriert wird, bleibt fragil. Eine emotional intensive Sitzung mit schlechter folgender Nacht ist klinisch oft umsonst.

Klinische Implikation

Was im Therapieraum geschieht, ist eine Anekdote, bis es sich im Alltag wiederholt. Transferarbeit, Übergangsobjekte, gezielte Hausaufgaben sind nicht Add-on, sondern essenziell. Wer eine Klientin entlässt mit der Hoffnung, dass die einzelne korrigierende Erfahrung trägt, hat die Lern- und Konsolidierungsforschung gegen sich. Wir behandeln nicht in fünfzig Minuten pro Woche. Wir behandeln die fünfzig Minuten als Setzling, der in den dazwischenliegenden Tagen gepflegt werden muss.

Heilung ist nicht das, was im Raum passiert. Es ist das, was Klienten danach damit machen.


Was Heilung dann braucht — neun Bedingungen

Wenn die sechs Verschiebungen stimmen, dann ergibt sich daraus ein Set an Bedingungen, unter denen Heilung tatsächlich passiert. Sie sind in der Praxis kaum trennbar — aber sie sind benennbar, prüfbar, in jeder einzelnen Therapie diagnostisch nutzbar: Welche Bedingung ist hier gerade unterdosiert?

Resonanz

Hartmut Rosas Resonanzbegriff trifft, was wir klinisch unter therapeutischer Präsenz, Affektabstimmung und Schores right-brain-Kommunikation fassen. Resonanz ist die Voraussetzung, ohne die nichts anderes greift. Das Konzept „Resonanztrauma“ — der Resonanzraum der Herkunftsfamilie oder eines transgenerational stummen Systems — ist klinisch hilfreich, weil es Klientinnen ohne benennbares Ereignis verstehbar macht, deren Wunde dennoch real ist. Diagnostisch: Wo schwingt die Klientin? Wo schwingen wir? Was steht der Resonanz im Weg — bei ihr, bei uns?

Trauer

Mary-Frances O’Connor zeigt in ihrer Forschung über das trauernde Gehirn, dass Verlust eine Re-Kalibrierung der internen Landkarte verlangt. Bei komplexem Trauma trauern wir oft nicht um eine Person, sondern um eine nie gehabte Kindheit, eine nicht stattgefundene Sicherheit, eine Version des Selbst, die nie sein durfte. Trauer ist kein optionaler Schritt, sondern eine Notwendigkeit, um das Erlebte abzuschließen.

Energie

Die physiologische Ressourcen-Ebene. Schlaf-, Bewegungs- und Ernährungsanamnese gehören zur Trauma-Anamnese. Erschöpfung ist nicht erst Folge, sondern oft mitlaufende Bedingung der Persistenz. Vor der Bearbeitung kommt der Wiederaufbau. Manchmal ist die wirksamste erste Intervention nicht psychotherapeutisch — sie ist physiologisch.

Neugier

Die therapeutische Grundhaltung: „Was ist da?“ statt „Was muss weg?“. Bei der Klientin — und bei uns selbst. Wo wir mit Druck auf Symptomreduktion arbeiten, schließt sich das System. Wo wir mit echter Neugier auf das innere Geschehen schauen, öffnet es sich. Neugier ist nicht Naivität, sie ist die Voraussetzung dafür, dass etwas Unerwartetes auftauchen darf. Sie ist auch der Schutz davor, dass wir unsere eigenen Hypothesen in die Klientin hineindiagnostizieren.

Widerstand und Schwingungsfähigkeit

Es geht nicht um Beruhigung, es geht um Lebendigkeit. Lebendigkeit ist die Fähigkeit, zwischen Aktivierung und Beruhigung zu wechseln, ohne in einem Pol stecken zu bleiben. Das Window-of-Tolerance-Modell (Siegel) ist eine nützliche Heuristik, aber wir sollten es differenzierter denken als das gängige Schema suggeriert. Es geht nicht nur darum, im Fenster zu bleiben, sondern darum, die Bandbreite zu vergrößern. Dazu braucht es Reize und Kontraste, ein Körper, der in Spannung gefangen ist, weiß nicht mehr, wie sich Entspannung anfühlt.

Die momentane Beruhigungskultur, möchte immer nur in die Entspannung arbeiten, das erzeugt jedoch keine Schwinungsfähigkeit.
Manchmal braucht es Sport, bewusste Anspannung, Kältereize, ein Gespräch, in dem unterschiedliche Meinungen ausgehalten werden müssen, um wieder diesen Kontrast zu spüren.

Staunen

Die Awe-Forschung von Dacher Keltner zeigt, dass Staunen den Fokus weitet, Selbst-Zentriertheit reduziert und — im hier interessanten Sinne — die starre Vorhersage über die Welt lockert. Es erzeugt einen Moment, in dem das System die alte Hypothese nicht mehr greifen lassen kann. Klinisch lassen sich solche Räume vorbereiten: durch sensorische Brüche, durch Naturerfahrung, durch das gemeinsame Innehalten in einem unerwarteten Moment. Staunen ist nicht ästhetische Begleitmusik. Es ist ein Update-Mechanismus. Trauma verhindert oft Neugier und Staunen, da alles durch den Filter potentieller Gefahr gesehen wird.

Neuer Erfahrungen

Die korrigierende emotionale Erfahrung. Klein dosiert, mismatch-erzeugend, im aktivierten Zustand: Dass die Klientin sich zeigt und nicht abgelehnt wird. Dass sie eine Grenze setzt und der Kontakt bleibt. Dass sie weint und nicht beschämt wird. Dass sie sich zurückzieht und nicht verfolgt wird. Diese Erfahrungen sind nicht symbolisch — sie sind die eigentliche Behandlung.

Demut

Die therapeutische Demut. Nicht alles ist machbar. Das System hat sein eigenes Tempo. Die Versuchung, Heilung zu erzwingen, ist eine Hybris des Helfens — und in der Regel kontraproduktiv. Klientinnen, die wir aus eigenem Bedürfnis nach Wirksamkeit drängen, spüren das. Sie spüren auch, wenn wir aufgeben können, weil wir vertrauen.

Schlaf

Walker, Stickgold — zwanzig Jahre Forschung zur Konsolidierungsfunktion des REM-Schlafs. Was tagsüber gelernt wird, integriert sich nachts. Ein chronisch fragmentierter Schlaf erhält das Trauma aufrecht, weil die Konsolidierungsphasen fehlen. Schlafanamnese und — wo nötig — Schlafintervention sollten Standardteil einer Trauma-Behandlung sein.

Stabilisierung als zu enges Konzept

Die dreiphasige Trauma-Behandlung (Herman) bleibt sinnvoll als Architektur. Aber die „Stabilisierungsphase“, wie sie praktisch oft umgesetzt wird verfehlt das Wesentliche, wenn sie die physiologische und relationale Ebene auslässt. Stabilisierung heißt nicht nur „die Klientin in den Window-of-Tolerance bringen“. Sie heißt: Resonanzraum etablieren, energetische Ressourcen wiederherstellen, Schlaf adressieren, eine Beziehung aufbauen, in der Update-Erfahrungen überhaupt möglich werden. Das dauert. Und das ist die eigentliche Arbeit.

Schlussgedanken

Als ich jung war, war jede Art von Denken, dass unsere Biologie einen Einfluss auf unser Sein haben könnte, vollkommen verpönt. Man wurde sofort als biologistisch verschrien.

Durch meine Arbeit als Trainerin für Kampfkunst und Frauenselbstverteidigung fiel mir allerdings sehr früh auf, welche großen Auswirkungen so ein körperlicher Kurs auf die Psyche von Frauen hatte.

Ebenso, wie mein Hang zur Natur, Kanu fahren in Kanada, Radtouren an der Westküste der USA, eine enorme Auswirkung auf mein Gefühl zu mir selbst hatten.
Mein Körper war immer ein wichtiger, wenn auch lange ungeliebter Teil meiner Selbst.

Die Arbeit mit einem körperpsychotherapeutischen Ansatz hat mir dann noch klarer gemacht, wie sehr wir unser Körper sind.

Heute habe ich das Gefühl einen vollen Bogen geschlagen zu haben und mir wird immer mehr bewusst, wie sehr wir auch psychisch vom Wohlbefinden und der Gesundheit unseres Körpers abhängig sind.
Ich denke jede Frau, die von Hormonumschwüngen betroffen ist, kann dies unterschreiben.

Deswegen ist es so wichtig, dass wir den Körper und seine Mechanismen in unsere Arbeit einbeziehen. Wir mehr darüber lernen, wie wir Informationen biologisch verarbeiten, welche Ressourcen wir für Veränderungsprozesse brauchen und die Körper unserer Klienten lesen lernen. Der Körper lügt nie.

Vor allem brauchen wir eine neugierige Offenheit für neue Erkenntnisse. Ich hoffe immer noch, dass wir irgendwann unsere Klienten schneller und besser unterstützen können. Offen und schulenübergreifend.
Das wäre mein Traum.

In den nächsten Wochen werde ich jede der Bedingungen tiefer ausführen und wenn du bei mir eingetragen ist, bekommst du immer einen Newsletter dazu: Eintragungslink

Autorin: Dami Charf

Zum Weiterlesen

1.  Grant, A. (2021). Die Kraft des flexiblen Denkens (Think Again). Piper.

Für: Wie wir aufhören, unsere Überzeugungen zu verteidigen, und anfangen, sie zu überprüfen.

2.  Feldman Barrett, L. (2018). Wie Gefühle entstehen. Rowohlt.

Für: Predictive Processing aus Sicht der Emotionsforschung. Sehr lesbar, sehr wichtig.
Ted Talk: „You are not at the mercy of your emotions“

3.  Ecker, B., Ticic, R. & Hulley, L. (2012). Unlocking the Emotional Brain. Routledge.

Für: Memory Reconsolidation in der therapeutischen Praxis. Bisher nur englisch verfügbar.

4.  O’Connor, M.-F. (2023). Das trauernde Gehirn. Mosaik.

Für: Trauer als neurologische Re-Kalibrierung. Klar geschrieben, klinisch wertvoll.

5.  Walker, M. (2018). Das große Buch vom Schlaf. Goldmann.

TED-Talk : Sleep is your superpower

7.  Sapolsky, R. (2004). Why Zebras Don’t Get Ulcers (3. Aufl.). Holt.

Für: Grundlagenwerk der Stressphysiologie und allostatische Last, lesbar und mit Humor erzählt. Auch als Stanford-Vorlesungsreihe frei auf YouTube.

8.  Keltner, D. (2023). Awe Die transformierende Kraft des Staunens. Komplett-Media.

Für: Was Staunen mit dem System macht.

9.  Rosa, H. (2018). Unverfügbarkeit. Residenz.

Für: Kurzer Einstieg in Rosas Resonanzkonzept.

10.  Greater Good Science Center, UC Berkeley. greatergood.berkeley.edu

Für: Online-Portal, von Dacher Keltner mitgegründet. Frei zugängliche, wissenschaftlich fundierte Artikel zu Staunen, Selbstmitgefühl, Bindung und Wohlbefinden.

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