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Die Bedeutung von Sicherheit und die Polyvagal-Theorie

von | 23.11.2021 | 5 Kommentare

Sicherheit ist für die meisten Menschen das wichtigste Grundbedürfnis überhaupt. Ohne ein Gefühl von Sicherheit sind wir nicht fähig, neugierig zu sein oder uns in sozialen Kontexten zu entspannen. Gerade für Menschen mit einem Traumahintergrund ist Sicherheit oft so ein starkes Bedürfnis, dass es alle anderen Bedürfnisse in den Hintergrund drängt.

Das kann weitreichende Folgen für das Leben von Betroffenen haben. Sie

  • bleiben in Jobs, die sie nicht mögen.
  • führen Beziehungen, die sicher, aber nicht erfüllend sind.
  • trauen sich nicht, Dinge zu verändern.
  • haben wenige soziale Beziehungen.
  • können nicht gut mit sich selbst sein.

Fühlen wir uns nicht sicher, dann fühlen wir uns ängstlich oder hilflos, sind ständig auf der Hut und leben in permanenter Anspannung. Manche Menschen tendieren mehr zu einem Leben im Kampfreflex und andere leben in einem ständigen Fluchtreflex. Die einen sind schnell reizbar. Die anderen geben häufig nach und setzen selten ihre Interessen durch. Manche wechseln auch von Strategie zu Strategie. In keinem Zustand sind wir fähig, unser volles Potential in die Welt zu bringen und erfüllende soziale Kontakte und Interaktionen zu erleben.
Vor allem leben wir in einem andauernden Stressmodus, der mit der Zeit psychische wie körperliche Symptome hervorbringen kann.

Polyvagal Theorie und Trauma

Das polyvagale System und seine Bedeutung

Die Polyvagal-Theorie von Stephen Porges versucht zu erklären, was physiologisch in uns abläuft, wenn wir in dauerhaftem und überforderndem Stress leben müssen oder mit Schocksituationen konfrontiert sind, für die wir keine Copingmechanismen besitzen. Diese Theorie hat Porges 1994 vorgestellt. Danach hat sie langsam ihre Wirkung entfaltet. Diese Theorie ist sicher eine der wichtigsten Theorien überhaupt für ein Verständnis unserer Klient*innen und ihrer Symptome.

Nach Stephen Porges gibt es noch einen dritten Teil des autonomen Nervensystems: einen Teil des Vagusnervs, der als „soziales Nervensystem“ bezeichnet wird. Nach Porges wird das autonome Nervensystem nicht nur in einen parasympathischen und einen sympathischen Teil aufgeteilt. Der Vagus als Teil des Parasympathikus ist nochmals unterteilt in einen ventralen (bauchseitigen) und dorsalen (rückseitigen) Teil.

Sicherheit zeigt sich im Gesicht

Der ventrale Vagus, auch als soziales Nervensystem bezeichnet, ist phylogenetisch der neueste Teil des Nervensystems. Er reguliert alle Nerven im Bereich des Gesichts, also alle Teile, die hauptsächlich in der Kommunikation aktiv sind. Dieser ventrale Vagus „springt“ nur an, wenn wir uns sicher fühlen!

    1. Der

ventrale Vagus

    moduliert

  1. unsere Fähigkeit, menschliche Stimmen aus Hintergrundgeräuschen herauszufiltern,
  2. den Augenkontakt,
  3. die Fähigkeit, Gesichter lesen zu können,
  4. unsere Gesichtsmuskeln für emotionalen Ausdruck,
  5. die Stimme.
  6. Er engagiert uns im sozialen Miteinander, dämpft aggressive Impulse
  7. und macht Selbstreflexion möglich.

Normalerweise reagieren Menschen zuerst mit diesem Teil des autonomen Nervensystems auf Stress und Gefahr. Man versucht, wenn möglich, die Gefahr durch soziale Interaktion abzuwenden. Diese Reihenfolge der Reaktion auf Gefahr – vor allem im zwischenmenschlichen Bereich – ist vielen nicht bewusst. Es ist jedoch eine unglaublich wichtige Fähigkeit, da wir damit viele, auch potenziell gefährliche Konflikte abwenden können.

Ist die Abwendung des Konfliktes nicht mehr möglich, wird das soziale Nervensystem abgeschaltet. Wir reagieren stattdessen mit dem Kampf- und Fluchtreflex, der entsprechend unserer Erfahrung von unserem Stammhirn eingeleitet wird. Sind Flucht und Kampf nicht möglich, so erstarren wir.

Stephen Porges hat im Rahmen der Polyvagal-Theorie den drei Möglichkeiten Kampf, Flucht und Erstarrung erstmals den Totstellreflex hinzugefügt. Er hatte festgestellt, dass es diesen uralten Reflex in uns gibt, der zu einer Art parasympathisch gesteuerter Selbstaufgabe führt: Wir geben auf. Dies habe ich in meinem Artikel über den Fawn Response (Bambi-Reflex) bereits ausführlich dargestellt und werde darum an dieser Stelle nicht näher darauf eingehen.

Wenn das soziale Nervensystem nicht funktioniert

Für uns als Therapeut*innen ist wichtig zu sehen und in unsere Arbeit zu integrieren, welche sozialen Auswirkungen ein abgeschaltetes soziales Nervensystem mit sich bringt. So können wir indirekt erkennen, dass unsere Klient*innen sehr viel Unterstützung brauchen, um sich sicherer zu fühlen.

Stress und Angst schlägt uns auf die Ohren

Kennst du das? Du triffst dich nach einem stressigen Tag noch mit jemandem in einer lauten Umgebung und hast starke Schwierigkeiten, dein Gegenüber zu hören oder dich zu fokussieren.
Stress sorgt dafür, dass wir den Hintergrund besser hören als menschliche Stimmen. Dies ist wichtig, damit uns ein sich anschleichender Tiger nicht überraschen kann.

Ist unser soziales Nervensystem angeschaltet, so dreht sich unsere Hörfähigkeit praktisch um. Wir hören menschliche Stimmen im Vordergrund und alle anderen Geräusche treten in den Hintergrund.

Augenkontakt ist extrem schwierig und stressig

Du hast sicher einige Klient*innen, denen es sehr schwerfällt, Augenkontakt mit dir herzustellen. Augenkontakt ist sehr intim und nah. Durch das Herstellen von Augenkontakt entsteht sofort mehr Energie im Körper. Für viele Betroffene ist dies sehr unangenehm. Sie erleben das Ansteigen von Energie in einem dysregulierten Zustand als gefährlich und unregulierbar. Häufig ist an Augenkontakt auch ein Gefühl von tiefer Scham gebunden. Es entsteht eine implizite Erinnerung an die bösen oder ablehnenden Blicke der Eltern.

Ist das soziale Nervensystem hingegen angeschaltet, so können wir Augenkontakt als angenehm, intim und liebevoll erleben.

Wir sehen überall unfreundliche Gesichter

Ist das soziale Nervensystem aus und wir befinden uns im Kampf- oder Fluchtmodus oder gar im Totstellreflex, so vermindert sich unsere Fähigkeit, Gesichter gut lesen zu können.

Wenn ich in einer Therapiestunde spüre, dass die Klient*in sich vollkommen im eigenen „Film“ bewegt und sich alle Antworten selbst gibt, frage ich: „Was denkst du, was ich fühle?“

Wenn du das als Therapeut*in tust, wirst du vermutlich sehen, dass manche Klient*innen sehr häufig auf den Boden schauen, um eine Antwort zu finden. Du weißt dann, dass diese Person nicht im Hier und Jetzt schaut, was sie bei dir wahrnimmt, sondern in ihrer inneren Erfahrungsbibliothek nach einer Antwort sucht. Dies führt im Alltag und vor allem im Beziehungsleben zu vielen sehr unangenehmen Konflikten, weil die Betroffenen immer auf die erfahrene Vergangenheit und nicht auf die Gegenwart reagieren.

Des Weiteren ist unsere Fähigkeit, positive Gefühle lesen zu können, bei Stress stark eingeschränkt. Wir suchen dann eher nach Hinweisen auf Gefahr in den Gesichtern unserer Umgebung. Dies führt zu einer Eskalation des inneren Stresszustandes, da wir auf kleine Hinweise stark reagieren und unser Stressniveau immer mehr steigt. Hier kann es dann häufig zu Missverständnissen, Konflikten oder Streit und Verletzungen kommen.

Menschen können Gefühle nicht zeigen

Wir kommunizieren sehr viel mehr über Körpersprache, Tonlage und Satzmelodie, als uns dies bewusst ist. Traumatisierungen können dazu führen, dass das Gesicht bei weitem nicht so ausdrucksvoll in seiner Mimik ist und die Stimme kaum noch Schwingung hat. Menschen wirken dann affektarm und ausdrucksschwach. Dies führt leider dazu, dass andere Menschen Betroffene als unangenehm erleben oder sie nicht sympathisch finden. Eine flache Stimme führt dazu, dass wir als Zuhörende die Inhalte des Erzählten nicht mehr fühlen können und nicht so ernst nehmen. Sie führt auch dazu, dass wir beim Zuhören müde werden und uns langweilen. Eine sehr flache Stimmlage kann auch auf eine starke Dissoziation hindeuten.

Das soziale Nervensystem dämpft Aggression

Im sozialen Miteinander dämpft der soziale Vagus Aggressionen und sorgt dafür, dass wir uns sozial engagieren und uns verbunden fühlen. Falls du dich schon einmal gewundert hast, warum es in Beziehungen doch so wenig Tote gibt, obwohl dort mit am meisten gestritten wird oder Mütter ihren Kindern nichts antun, obwohl diese unglaublich anstrengend sein können, dann ist der soziale Vagus die Antwort. Sobald dieser an ist, reagieren wir anders auf unsere Mitmenschen. Wir sind dann verhandlungsbereiter und bereiter, das Gute zu sehen.

Nur in der Entspannung können wir uns selbst sehen

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Bedeutung des sozialen Vagus für unsere Fähigkeit zur Selbstreflexion. Sobald ein gewisses Maß an Stress überschritten ist und der soziale Vagus abschaltet, sinkt unsere Fähigkeit, ein Beobachter-Ich zu halten und selbstreflexiv auf uns und unsere Gefühle und Reaktionen zu schauen, massiv ab. Das gilt ebenso für die Fähigkeit, eine Pause zwischen Reiz und Reaktion zu machen. Das bedeutet für dich in der Therapie, dass manche Klient*innen nicht wirklich zu einem therapeutischen Prozess fähig sind, bevor sie nicht so viel Sicherheit und Regulation erreicht haben, dass sie „bei sich“ bleiben können.

Im Toleranzfenster bleiben können

Eine Traumatisierung führt dazu, dass das autonome Nervensystem (ANS) nicht mehr angemessen auf Situationen reagieren kann. Es wird unflexibel und rigide. Ein Trauma ist also eine Dysregulation des ANS, welches daraufhin nur noch in rigiden Handlungsmustern auf Anforderungen reagieren kann. Es reagiert entweder mit einem Shutdown und einem untererregten Zustand (Hypoarousal) oder befindet sich in einem beständigen Zustand der Übererregung (Hyperarousal). Es ist allerdings möglich, dass Menschen zwischen beiden Zuständen wechseln oder sogar beide Zustände gleichzeitig in unterschiedlichen Stellen im Körper haben. All diese Zustände sind sehr anstrengend und kosten sehr viel Energie. Leider sind sie bei hohem Energieaufwand dennoch sehr uneffektiv und führen oft in einen Zustand chronischer Erschöpfung. Es ist, als würden wir in einem Porsche sitzen und Gas und Bremse gleichzeitig durchtreten.

Durch die Erhöhung der Selbstregulationsfähigkeit und durch die Trauma-Arbeit wird die Erregung wieder in das Window of Tolerance geführt. Das autonome Nervensystem erhält wieder die Fähigkeit, sich so zu regulieren, dass es auch bei Stress in diesem Toleranzfenster bleiben kann.

Im optimalen Fall soll das Window of Tolerance so erweitert werden, dass es die traumatische Erfahrung mit der in ihr festgehaltenen Erregung umschließen kann und so die Erfahrung nicht mehr traumatisch ist.

Trauma entsteht, wenn im Moment der Überwältigung nicht genügend Ressourcen vorhanden sind. Können bei der Trauma-Arbeit genügend Ressourcen gefunden werden und kann die Fähigkeit zur Selbstregulation entsprechend gestärkt und erweitert werden, so werden die Symptome verschwinden und stattdessen „traumatisches Wachstum“ folgen.

Der Weg zu mehr Sicherheit

Das Gefühl innerer Sicherheit zeigt sich durch

  • eine höhere Schwingungsfähigkeit des autonomen Nervensystems
  • mehr Mitgefühl und Wertschätzung für sich und andere
  • größere Lebensfreude
  • mehr Tiefe in zwischenmenschlichen Kontakten
  • spirituelleren Zugang zum Leben.

Der Weg zu mehr Sicherheit ist ein langer und oft auch steiniger Weg. Sicherheit ist sowohl eine physiologische als auch eine psychologische Erfahrung. Sie entsteht in erster Linie in uns selbst und nicht durch unsere Umgebung. Dies ist für die meisten unserer Klient*innen ein innerer blinder Fleck. Sie denken, wie die meisten Menschen, dass Glück, Fülle, Freude oder Sicherheit etwas sind, das durch das Außen entsteht. Die Aufmerksamkeit ist dadurch auf alles in der Umwelt gerichtet, das hat leider den gegenteiligen Effekt. Wir werden immer unsicherer und unglücklicher, da wir ständig äußere Faktoren bewerten und abschätzen. Wir befinden uns beständig außerhalb unseres Selbst.

Leider beißt sich hier die sprichwörtliche Katze in den Schwanz. Fühlt man sich nicht sicher, so sucht man im Außen nach Gefahr und kann diese dann fast überall sehen. Je mehr man sich nach außen wendet, desto weniger fühlt man sich und desto weniger ist man bei sich und kann lernen, sich in sich selbst sicher zu fühlen.

Die Klient*innen müssen also lernen, ihre Aufmerksamkeit auf sich selbst zu richten, sich selbst zu spüren und zu erfahren, dass die Angst aus ihnen selbst kommt – meist durch die innewohnende Übererregung, die als Angst oder Stress interpretiert und wahrgenommen wird.

Selbstwirksamkeit wirkt Angst entgegen

Ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu mehr Sicherheit ist Selbstwirksamkeit. Selbstwirksamkeit und Selbstbewusstsein sind fast untrennbar miteinander verbunden. In Studien hat man herausgefunden, dass Selbstwirksamkeit (SWK) Angst entgegenwirkt.

„Menschen mit hoher SWK verfügen über ein besser funktionierendes Immunsystem und sind bei der Lösung von Aufgaben weniger angsterfüllt (Aronson, E., Wilson, T. D., & Akert, 2008; Barysch, 2016, S. 206; Wiedenfeld et al., 1990, S. 1082–1094).
Eine niedrige SWK könnte ein Anzeichen für Depressionen sein, da depressive Menschen sich oft in zentralen Bereichen des Lebens als unfähig erleben. Hohe SWK kann gute psychische Anpassungsleistung sowie Coping positiv beeinflussen (Barysch, 2016, S. 206; Maddux & Meier, 1995, S. 143–169).
Eine hohe SWK dämpft bei Patienten mit Panikattacken, Phobien und emotionalen Störungen die Stärke physiologischer Stressreaktionen. Es wird bei hoher SWK häufiger bewältigendes Verhalten gezeigt (Bandura, 1982, S. 122–147; Barysch, 2016, S. 206; Jonas & Brömer, 2002, S. 277–299).“ Dominik Klaes: Selbstwirksamkeit, Selbstwirksamkeit in Gesundheitsprävention, Kontrollüberzeugung, Sensation Seeking, Angstbewältigung nach Krohne (2018)

Selbstvertrauen und Vertrauen in andere Menschen entstehen durch die Vorstellung, Herausforderungen und Probleme bewältigen zu können und diesen nicht hilflos ausgeliefert zu sein. Es ist also wichtig, am Selbstbewusstsein, der Fähigkeit Grenzen zu setzen und der Selbstwirksamkeitsempfindung zu arbeiten.

Die Erfahrung einer sicheren Bindung ist die Grundlage für Veränderung

Selbstverständlich ist die Grundlage dieser Arbeit die Beziehung, die wir langsam mit unseren Klient*innen aufbauen. Sicherheit und ein gesundes Selbstbewusstsein, Selbstwirksamkeit und das Gefühl, in sich selbst zu Hause zu sein, beruhen auf einer sicheren Bindungserfahrung. Je öfter Klient*innen unsichere Bindungen erlebt haben, desto weniger sicher fühlen sie sich in sich selbst und ihrem Leben. Den Grad an innerer Entfremdung deiner Klient*innen kannst du meist schon daran erkennen, wie viel sie mit ihrer Aufmerksamkeit im Außen sind und wie schwer es für sie ist, sich selbst wirklich zu fühlen und zu spüren.

Mit uns können sie im Rahmen der therapeutischen Beziehung langsam lernen, wie sich eine sichere Bindung anfühlt, wie es ist, co-reguliert zu werden und die Aufmerksamkeit in sich selbst zu richten, ohne dass sie Angst haben müssen, dass eine Gefahr von außen droht. Informieren Sie sich in weiteren Beiträgen auch gerne über die Objektkonstanz oder das Thema Scham in der Psychotherapie.

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5 Kommentare

  1. Meena Knierim

    Liebe Dami!

    Vielen Dank, dass Du auf die Wichtigkeit von Sicherheit hinweist. Dabei kommt mir allerdings zu kurz, dass wir oft übersehen, dass etliche unsere Klienten und besonders Klientinnen noch nicht in Sicherheit sind. Wenn wir sehr darauf fokussieren, dass „die Angst aus ihnen selbst kommt“, fördern wir in diesen schwer betroffenen Menschen wieder die Einschätzung selbst schuld zu sein. So können sie das Vertrauen, das nötig wäre um von realer aktueller Bedrohung zu berichten, noch schwerer aufbauen.

    Ich schlage daher vor immer mitzudenken, dass die Person eventuell noch nicht in äußerer Sicherheit ist und dies auch als Möglichkeit zu kommunizieren, da aus Angst, Scham und der leider immer noch häufigen Erfahrung dann wieder weggeschickt zu werden, auch auf Nachfrage kaum jemand in einer der ersten Stunden davon berichten wird.
    Auch wenn eine Traumaheilung unter diesen Bedingungen nicht möglich sein wird, können gerade Betroffene, die noch nicht in einem sicheren Umfeld leben, sehr davon profitieren „am Selbstbewusstsein, der Fähigkeit Grenzen zu setzen und der Selbstwirksamkeitsempfindung zu arbeiten.“

    Mit herzlichen Grüßen Meena Knierim

    Antworten
    • Dami Charf

      Liebe Meena,
      danke für deinen Kommentar. Das ist ein wichtiger Hinweis, den ich für mich als so selbstverständlich sehe, dass ich daran im Artikel nicht gedacht habe.
      Wir müssen selbstverständlich immer schauen, wie und wo unsere Klient*innen leben, sonst könnten unsere Interventionen zu einem gegenteiligen Effekt führen und sie gaslighten, weil
      sie ihrer Wahrnehmung dann noch weniger trauen.
      Herzliche Grüße, Dami

      Antworten
  2. Sylvia Hartmann

    danke für diesen spannenden Artikel!

    Antworten
  3. Ewald Dietrich

    Liebe Dami,
    was klitzekleines: Ich würde nicht von „traumatischem“ Wachstum sprechen, sondern von post-traumatischem Wachstum.
    Der Rest ist einfach nur gut! : )
    Liebe Grüße, Ewald

    Antworten
  4. Juliane

    Sehr hilfreich für mich für das Verständnis von Sicherheit,das Gefühl, Bedürfnis mit dem Nervensystem zu verbinden um überhaupt eine Basis zu haben um wechselseitiges Vertrauen aufzubauen.
    Vielen Dank!!!

    Antworten

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